Stadtgeschichte

Mit einer am 1. Mai des Jahres 704 in Würzburg ausgestellten Urkunde des fränkischen Herzoges Heden tritt Arnstadt neben anderen Orten in das Licht der schriftlichen Überlieferung. Heden schenkte an diesem Tage u.a. seinen Gutshof in Arnstadt mit dessen Zubehör an Hütten, Höfen, Feldern, Wiesen, Gewässern, Unfreien und Vieh dem Bischof Willibrod von Utrecht.

Angenommen wird, daß Heden mit dieser Schenkung die Grundlage für eine kirchliche Organisation in Thüringen schaffen wollte. Die Lage des 704 veräußerten Gutshofes konnte bisher nicht festgestellt werden. In Frage kommen das Gebiet um die Liebfrauenkirche sowie das Gelände des heutigen Marktplatzes. Auch sein weiteres Schicksal hüllt sich in geschichtliches Dunkel. Allerdings setzt die Anwesenheit von zahlreichen Mitgliedern der königlichen Familie im Jahre 954 entsprechende Lokalitäten voraus.
Ob sich Arnstadt in der Zwischenzeit wieder in Reichsbesitz befand oder bereits an die Reichsabtei Hersfeld übergeben worden war, ist nicht eindeutig feststellbar. In jüngster Zeit neigt die Forschung wieder stärker dazu Reichsbesitz anzunehmen, zumal Kaiser Heinrich III. hier zwischen 1051 und 1056 Denare schlagen ließ. Da diese Münzen vor allem für den Fernhandel bestimmt waren, ist eine entsprechende Bedeutung Arnstadts vorauszusetzen.

Die Entwicklung des Ortes zur Stadt verstärkte sich im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts unter der Herrschaft der Abtei Hersfeld. Sie erreichte ihren Abschluß im Jahre 1266 mit der Verleihung des hersfeldischen Stadtrechts. Seit 1273 sind die Grafen von Schwarzburg / Käfernburg als hersfeldische Vögte nachweisbar, denen in diesem Jahr die Burg der Äbte zu Lehen aufgetragen wurde. Ständige Streitigkeiten zwischen der Abtei und dem Grafengeschlecht über die Rechte in der Stadt und den zugehörigen Orten endeten 1332 mit dem Verkauf Arnstadts an die Grafen Heinrich und Günther von Schwarzburg. Nach der Teilung der schwarzburgischen Besitzung am Ende des 16. Jahrhunderts gehörte die Stadt zu der Grafschaft und späterem Fürstentum Schwarzburg Sondershausen.
Der in Folge der Novemberrevolution 1918 geschaffener Freistaat ging 1920 im Lande Thüringen auf, das bis zum Jahre 1952 bestand. Seit dem Erwerb der Stadt durch die Schwarzburger residierten hier Angehörige des Grafengeschlechtes. Erst mit dem Tode des Fürsten Anton Günther II. im Jahre 1716 wurde Sondershausen alleinige Residenzstadt des Fürstentums. Arnstadt blieb jedoch Mittelpunkt der sogenannten Oberherrschaft und damit Sitz relativ selbstständiger Landesbehörden. Daneben lebten mehrfach nichtregierende Mitglieder der fürstlichen Familie in der Stadt und ihrer nächsten Umgebung. Während die Abtei Hersfeld schon 1332 ihren weltlichen Besitz in Arnstadt veräußerte, blieb das Benediktinerinnenkloster an der Liebfrauenkirche weiterhin ihr Eigentum. Diesem Kloster unterstanden auch die Geistlichen der Pfarrkirchen. Erst 1533, als im Verlaufe der Reformation das Kloster säkularisiert worden war, endete auch diese Periode.
Die Stadt blieb bis in das 19. Jahrhundert fast ausschließlich evangelisch. Erst 1817 fand wieder ein öffentlicher katholischer Gottesdienst statt. 1837 konnte eine Kapelle für die katholische Gemeinde geweiht werden.

Die günstige geographische Lage Arnstadts förderte schon frühzeitig den Handel und die Entwicklung eines bodenständigen Handwerkes. Daneben blieb der Ackerbau und bis zum 17. Jahrhundert auch der Weinbau eine wichtige Erwerbsquelle. Für den Handel besaß vor allem der Austausch von Produkten des Thüringer Waldes mit denen des Thüringer Beckens Bedeutung. Noch im 19. Jahrhundert galt Arnstadt als größter Getreidemarkt Thüringens. Auf der Grundlage der Landwirtschaft und des bodenständigen Handwerkers begannen sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts einige Industriezweige zu entwickeln. An erster Stelle wären Schuh- und Handschuhfabriken zu nennen. Später traten spezielle Zweige des Maschinenbaues hinzu. Mit der industriellen Entwicklung wuchs auch die Zahl der Einwohner. Besaß Arnstadt noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts rund 4300 Bewohner, so hatte sich deren Zahl bis zum Jahre 1871 verdoppelt. 1914 waren es bereits 19000, gegenwärtig zählt die Stadt etwa 27000 Einwohner.
Arnstadts reiche Geschichte hat zahlreiche bedeutende Zeugnisse im heutigen Stadtbild hinterlassen, obwohl mehrere Stadtbrände das Gemeindewesen heimgesucht haben. Die Bautätigkeit der Gründerzeit konzentrierte sich glücklicherweise auf Bereiche außerhalb der Altstadt, von Zerstörungen im 2. Weltkrieg blieb sie nahezu verschont. Der in den 60er Jahren langsam einsetzende Verfall der Stadt konnte in den kulturhistorisch wertvollsten Bereichen zumindest soweit gebremst werden, daß keine größeren Verluste eintraten. Lediglich die Bebauung einiger Straßen im nordwestlichen Teil der Altstadt fiel dem Abbruch und der Verlagerung des Wohnungsbauprogrammes in die Städte zum Opfer.
Quelle: Stadtführer durch Arnstadt, Manfred Donhof
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